Die Fahrt mit Kindern zum Urlaubsort ist Teil des Erlebnisses

Ich erinnere mich, wie mich, als wir im Arba Resort auf Rab im Urlaub waren, eine Mutter fragte, ob es überhaupt möglich sei und wie man mit einem ein Jahr alten Kleinkind von  Istrien auf die Insel Rab reisen kann. Diese Frage machte mir bewusst, wie verschieden wir eine Reise mit Kindern auffassen können. Für jemanden ist dies ein Unterfangen, das verschoben wird, bis das Kind etwas größer ist, für andere ist das von Anfang an ein Teil des Lebens.

Die Reise selbst kann zum Teil des Familienerlebnisses werden

Wir gehen seit der Geburt unserer Kinder auf Reisen, und so kann ich Ihnen als Mutter wie auch als Expertin verraten, was wirklich helfen kann, damit die Reise leichter verläuft. Eine lange Reise mit dem Auto – das müssen nicht einige Stunden bis zum Zielort sein, die man einfach nur „überleben“ muss. Mit realen Erwartungen, genügend Pausen und etwas Vorbereitung kann auch die Reise selbst zum Teil des Familienerlebnisses werden. Und je mehr wir reisen, desto mehr gewöhnen sich die Kinder daran, und so wird es mit der Zeit immer leichter.

Das Kind verstehen – das ist die halbe Miete

Wenn wir über eine lange Fahrt nachdenken, lohnt sich zunächst einmal, in Betracht zu ziehen, was die Fahrt dem Kind abverlangt, denn wenn wir uns dessen bewusst sind, nervt uns die Fahrt viel weniger und wir haben viel mehr Verständnis.

Das Kind ist mehrere Stunden lang physisch an einen sehr kleinen Raum gebunden und angeschnallt. Es kann nicht nach Belieben aufstehen, herumtoben und dem körperlichen Impuls nach Bewegung folgen. Gerade für ein Kind mit großem Bewegungsbedürfnis bedeutet dies, dass es sehr viel Selbstkontrolle und Regulation einsetzen muss. Was dem Erwachsenen wie ein bloßes „im Auto Sitzen“ erscheint, fordert dem Kleinkind eigentlich sehr viel ab. Es muss warten, seine Bedürfnisse aufschieben, Langeweile und Unbehagen tolerieren, Impulse kontrollieren und akzeptieren, dass es momentan nicht tun kann, was es möchte. Und all dies mit einem Gehirn, in dem Selbstregulation und Selbstkontrolle noch in der Entwicklung begriffen sind und das den Begriff der Zeit noch nicht voll und ganz versteht. So fällt es dem Kind schwer, sich die ganze Zeit auf das weite Ziel zu freuen.

Dies ist nicht nur ein Eindruck aus der Praxis. Experten aus dem Harvard-Zentrum für Kindesentwicklung erklären, dass Fähigkeiten der Selbstkontrolle jahrelang, durch Erfahrung entwickelt werden: das Kind wird nicht damit geboren. Und eine Studie über die Art und Weise, wie das Kind die Fahrt erlebt, zeigte auf, dass das Auto für das Kind nicht nur ein Transportmittel ist, sondern auch ein Raum, den Erwachsene unter Kontrolle halten und in dem sich das Kind anpassen muss. So findet das Kind selbst heraus, wie es seine Zeit im Auto verbringen kann.

Wenn wir das verstehen, ergibt sich für uns auch eine andere Sichtweise darauf, wie sich das Kind zu betragen beginnt. „Wann sind wir endlich da?“ bedeutet beim Kind nicht „Ich möchte wissen, um wieviel Uhr wir ankommen“. Einem Kleinkind bedeutet die Antwort „In zwei Stunden“ nicht viel, weil sein Zeitgefühl noch nicht so entwickelt ist wie bei uns. „Wann sind wir endlich da?“ bedeutet viel öfter: „Das Sitzen fällt mir schon schwer“, „Mir ist langweilig“, „Ich brauche Abwechslung“, „Ich brauche Hilfe, um noch ein wenig durchzuhalten“. Wenn wir das Verhalten des Kindes so betrachten, reagieren wir viel leichter auf das, was das Kind wirklich braucht.

Reale Erwartungen verändern die ganze Reise

Wir können vom Kind nicht erwarten, erwachsen zu sein, bei einem Zweijährigen ebenso wenig wie bei einem Fünf- oder Zehnjährigen.

Kleinkinder

Je jünger das Kind ist, desto weniger können wir erwarten, dass es die Dauer der Fahrt versteht oder dass es sich eigenständig lange beschäftigt. Hier helfen einfache Aktivitäten, kleine Lieder, ein Gespräch, ein Blick durchs Fenster und ein häufiger Wechsel von Aktivitäten. Doch das Kind braucht nicht ständige Anregungen. Mir fällt meine Tochter ein, als sie drei Jahre alt war. Sie spielte eineinhalb Stunden mit drei Stoffmäusen, gerade deshalb, weil wir keine Bildschirme zuließen. Wenn keine ausgesprochene „Dopaminattraktion“ vorhanden ist, beginnt sich das Kind selbst zu beschäftigen. Hätten wir ihm einen Bildschirm gegeben, wäre es ihm beim nächsten Mal ohne diesen schon „zu langweilig“, weil es eben den Bildschirm haben möchte. Und ohne Bildschirm kommen wir zurück auf Fahrten, auf denen Kinder plaudern, durchs Fenster schauen oder die Fahrt durchschlafen, sich in ihrer eigenen Welt bewegen und aus Langeweile etwas in ihrer Phantasie schaffen. So vergeht eine Fahrt von fünf Stunden mit nur einem Zwischenstopp und ohne Schwierigkeiten (dabei muss man bedenken, dass Kinder verschieden sind). Diese Erfahrung mit Bildschirmen gilt für Kinder jeden Alters.

Vorschulkinder

Sie können schon etwas länger bei einfachen Spielen mitmachen. Wir können rote Pkws, Lkws oder Tiere suchen, raten, was wir sehen, Geschichten erzählen und Hörbücher anhören. Anstatt des abstrakten „Noch drei Stunden“ teilen wir die Fahrt in verständliche Teile auf: zunächst fahren wir zur Raststätte, dann essen wir etwas und danach geht es weiter zum Meer.

Schulkinder

Ein älteres Kind können wir viel mehr mitmachen lassen. Es kann die Route auf der Karte oder per GPS mitverfolgen, die nächste Raststätte suchen, noch zu fahrende Kilometer ausrechnen, die Fahrzeit einschätzen oder das Reiseziel erkunden. So ist das Kind nicht mehr ein Reisender, der Unterhaltung verlangt. Es wird zum aktiven Reiseteilnehmer.

Eine Pause ist viel mehr als Dehnübungen

Wenn das Kind viel Zeit im Sitzen verbracht hat, braucht es in der Pause meistens nicht noch mehr Sitzen, sondern Bewegung. Lassen Sie es laufen, springen, klettern, sich strecken und einige Runden um den Ort herum laufen, an dem Sie Halt gemacht haben. Bewegung ist nicht nur Energieverbrauch. Sie hilft dem Kind, sich wieder zu regulieren, und dann genießt es die Fahrt mehr. Studien bringen körperliche Aktivität mit verbesserter Selbstregulation bei Kindern in Verbindung.

Aber Regulation ist nicht nur Bewegung. Eine Pause ist auch ein Moment der erneuten Verbundenheit, und lassen Sie diesen Teil nicht aus. Bleiben Sie einige Minuten lang stehen, umarmen Sie das Kind, setzen Sie sich gemeinsam hin, sehen Sie das Kind an, essen Sie etwas ohne Hast. Dem Kind, das schon viel Kapazität verbraucht hat, helfen einige Minuten der Nähe, um sich für den nächsten Abschnitt der Fahrt „aufzuladen“. Deshalb ist eine gute Pause keine verlorene Zeit. Sie macht den bevorstehenden Teil der Fahrt für die ganze Familie angenehmer.


Kinder beschäftigen sich während der Pause im Auto ohne Bildschirme
Zwischen den Aktivitäten darf es auch eine Zeit geben, in der nichts Besonders vor sich geht, denn auch Langeweile ist Nahrung für die Phantasie.

Wir müssen das Kind nicht jede Minute unterhalten

Die Falle bei einer langen Autofahrt ist der Gedanke, dass wir so viel Unterhaltungsmöglichkeiten vorbereiten müssen, dass es dem Kind auch nicht eine Minute lang langweilig ist. Das müssen wir nicht. Wir können mehrere Aktivitäten vorbereiten:

  • „Ich sehe was, was du nicht siehst…“ – Einer sagt: „Ich sehe etwas Rotes“, die anderen müssen erraten, an was er dabei gedacht hat.
  • Entdecken eines Autos in einer bestimmten Farbe, oder Reisebingo mit Bildkarten (Traktor, Brücke, Kuh), die das Kind markiert, wenn es das jeweilige Motiv erblickt hat.
  • Erraten eines Tieres, Gegenstandes oder Ortes, an den ein Spieler gerade denkt.
  • Fortsetzen einer gemeinsamen Geschichte, Wort für Wort.
  • Lieder und gemeinsames Singen, Hörspiele und Hörbücher.
  • Landschaftsbetrachtung: Welche Jahreszeit haben wir? Wo sind die Berge und wo die Täler? Wo hört das Festland auf und wo fängt das Meer an?
  • Verfolgung der Reiseroute und Gespräch darüber, wohin die Reise geht.

Aber zwischen diesen Aktivitäten darf es auch etwas geben, was Kindern heute oft fehlt: Zeitabschnitte, in denen nichts Besonderes vor sich geht.

Arba Hotel, Valamar Collection
Insel Rab
Arba Hotel, Valamar Collection
Das Arba Hotel, Teil des Arba Resorts (Valamar Collection 4/5*), liegt auf der bewaldeten Halbinsel Capo Fronte auf Rab, unweit der charmanten mittelalterlichen Stadt Rab. Das Hotel bietet den idealen…

Und was ist mit den Bildschirmen?

Ein Bildschirm unterwegs muss nicht verboten sein und soll auch nicht dämonisiert werden. Er kann einer der Werkzeuge sein, die die Reise erleichtern, besonders dann, wenn man spürt, dass die Kapazität des Kindes schwindet. Aber es ist ein großer Unterschied, ob wir den Bildschirm zu nur einem Teil der Reise machen oder ihn dem Kind in die Hand geben, sobald es ins Auto gestiegen ist.

Wenn das Kind von Anfang an eine zu intensive Stimulierung bekommt, wird sich der Übergang zum Blick durchs Fenster, zum Gespräch oder zu einem einfachen Spiel schwerer gestalten. Deswegen ist es sinnvoll, die Reise nicht mit dem Bildschirm zu beginnen.  Nutzen Sie den Beginn der Autofahrt für ein Gespräch, Musik, Spiele oder einen Blick durchs Fenster und halten Sie den Bildschirm für später bereit, wenn die Kapazität des Kindes abnimmt und zusätzliche Hilfe wirklich nötig ist. Das Ziel liegt nicht darin, dass man voll und ganz ohne Bildschirm reist. Wir wollen nur, dass der Bildschirm nicht zur einzigen Art und Weise wird, wie das Kind die Fahrt durchstehen kann, denn Kinder gewöhnen sich sehr wohl daran und dann verlieren sie viel.

Wenn das Kind nicht mehr kann: zuerst Regulation, dann Unterhaltung

Wenn das Kind nach einigen Stunden zu weinen beginnt, streitlustig wird und in keinem Spiel mehr mitmachen kann, dann bietet man leicht weitere Unterhaltungsmöglichkeiten an. Noch ein Spielzeug, noch ein Spiel, Knabbereien, einen Zeichentrickfilm. Aber das ist für uns ein Zeichen, dass das Kind keine weitere Unterhaltung braucht, sondern Regulation und Verbundenheit mit uns.

Prüfen Sie die Grundbedürfnisse: ob das Kind Hunger oder Durst hat, ob es müde ist, ob ihm heiß oder übel ist, ob es auf die Toilette muss oder ob es einfach vom Sitzen genug hat und Verbundenheit mit Ihnen benötigt. Manchmal ist die beste Reaktion: anhalten, aussteigen, den Körper in Bewegung bringen, frische Luft einatmen, etwas essen und sich wieder miteinander verbinden.

Was das Kind lernt und warum Langeweile kein Problem ist

Eine Reise ist nicht nur die Zeit zwischen dem Zuhause und dem Reiseziel. Sie ist eine kleine Lebenserfahrung, in der das Kind in altersgerechten Dosierungen Warten übt, Langeweile und Unbehagen zu tolerieren lernt und übt, flexibel zu sein, wenn Dinge nicht ganz nach Plan verlaufen. In Begleitung gefasster und verfügbarer Eltern eignet sich eine wichtige Erfahrung an: etwas kann unangenehm, unvorhersehbar oder langweilig sein, aber ich komme dennoch damit zurecht.

Deswegen sollten wir nicht nach perfekter Ordnung streben, denn das Kind passt sich in Begleitung sicherer Eltern an und entwickelt damit Widerstandskraft, Selbstkontrolle und die Fähigkeit, gut mit Veränderungen umzugehen. Die Reise muss nicht ein Kinderunterhaltungsprojekt sein. Wenn Sie entspannt sind, wirkt sich das auch auf das Kind aus.

Aus diesem Grunde müssen wir „Mir ist langweilig“ nicht als Aufforderung verstehen, uns wieder etwas Neues auszudenken. Wir müssen nicht jedes Mal nach Spielzeug, Knabbereien oder dem Bildschirm greifen. Wir können ganz einfach sagen: „Ja, wir sind schon lange unterwegs. Du hast Langeweile. Nun bin ich wirklich gespannt, was deinem klugen Köpfchen jetzt einfallen wird“. Und dem Kind Unterstützung bieten, es durch diese Langeweile begleiten, ohne etwas zu ändern. Diese Fähigkeit entwickelt sich durch Erfahrung;  Experten betonen, dass Kindern die Zeit der Langeweile Nutzen bringt, denn sie regt die Phantasie an und fördert eigenständiges Spiel und Kreativität. Aus der Langeweile entsteht manchmal ein Gespräch, das Kind denkt sich ein Spiel aus und stellt eine Frage, die es noch nie zuvor gestellt hat. Nebenbei betrachtet es die Welt um sich herum: wie sich die Landschaft verändert, welche Städte es zwischen dem Zuhause und dem Meer gibt, was ein bestimmtes Verkehrsschild bedeutet.

Wir müssen nicht jedes Unbehagen beseitigen, um die Reise zu einem guten Erlebnis zu machen. Wir müssen dem Kind helfen, das Unbehagen zu überwinden.

Letztendlich ist die Reise bereits Teil des Urlaubs

Möglicherweise liegt der Perspektivenwechsel gerade darin: der Familienurlaub muss nicht erst mit dem Parken des Autos vor dem Hotel beginnen. Die gesamte Fahrt kann eine zusammen verbrachte Zeit und ein gemeinsames Erlebnis sein. Mit realen Erwartungen brauchen wir kein vollkommen ruhiges Kind und keine perfekt organisierte Reise. Es reicht schon, sich genügend Zeit für die Autofahrt zu lassen, die Erwartungen an das Alter des Kindes anzupassen, ab und zu einen Zwischenstopp einzulegen, den Körper in Bewegung zu bringen und emotional verfügbar zu sein, wenn die Kapazität des Kindes abnimmt.

Und das Wichtigste: Erwarten Sie keine Perfektion. Weinen, Wut und Anstrengungen können auch schon vorkommen, denn das gehört zum Elternsein dazu. Dann sollte man, bevor man etwas unternimmt, erst einmal tief durchatmen. Tiefes Atmen praktiziere ich oft, um gefasster reagieren zu können. Und dabei fällt mir dann ein: „Das ist ein normaler Teil der Reise. Das Kind wird sich bald beruhigen und alles wird gut.”

Wenn man die Erwartungen anpasst, stellt sich Entspannung ein.