Kinder brauchen keine ständige Unvorhersehbarkeit, um widerstandsfähiger zu werden. Sie brauchen eine sichere und überschaubare Basis, von der aus sie ab und zu neue Erfahrungen mit einem ausreichenden Maß an Herausforderungen machen können.

Eine Frau in einem gestreiften Kleid sitzt auf der Terrasse des Arba Resorts neben einem Beistelltisch mit Kaffee und Servierartikeln.

Sie können sich auch außerhalb des Gewohnten zurechtfinden

Reisen tragen nicht nur durch den Standortwechsel zur Entwicklung der Kinder bei. Der Wert der Reisen liegt darin, dass das Kind mit der von den Eltern gebotenen Sicherheit auf etwas Neues stößt, sich anpasst, kleine Probleme löst und die Entdeckung macht: „Ich finde mich auch außerhalb des Gewohnten zurecht.“ Gerade solch eine Kombination aus Sicherheit und einer bewältigbaren Herausforderung kann Flexibilität, Eigenständigkeit und Widerstandsfähigkeit aufbauen und Schulwissen mit dem realen Leben verbinden.

Eine Reise mit Kindern erweckt oft den Anschein, dass viel Logistik und Mühe erforderlich sind. Das muss aber nicht so sein, und in diesem Text möchte ich darüber schreiben, in welchem Maße und wie Reisen dem Kind und der ganzen Familie von Nutzen sein können.  

Gemeinsame Erfahrungen und die daraus entstehende Verbundenheit

Der Alltag von uns Eltern sieht so aus, dass es immer noch etwas zu erledigen gibt. Geschirrspülen, Bügeln, Aufräumen, Verpflichtungen nachkommen. Wir verfallen in einen Trott, und das Kind muss sich oft in Geduld fassen.   

Eine gemeinsame Reise und einen Urlaub, wenn auch mit Kindern keine einfache Sache, machen wir zusammen durch. Wir können uns mehr miteinander befassen und uns endlich den Kindern widmen, denn jetzt ist jemand da, der sich auch um uns kümmert. Die so verbrachte Zeit, auch wenn sie zeitweise anstrengend war, „gehört uns“ und verleiht dem Kind ein starkes Gefühl der Zugehörigkeit.

Ich höre oft die Frage: „Wieso verreist du überhaupt mit Kindern, wenn sie sich sowieso nicht daran erinnern werden?“ Es stimmt schon, dass diese Reisen dem Kind in seinen ersten drei bis vier Lebensjahren nicht direkt in Erinnerung bleiben. Aber sie hinterlassen dennoch eine starke Spur und bauen das Gefühl der Gemeinsamkeit auf, und genau das ist es, was unseren Kindern in diesem schnellen Leben so sehr fehlt.  

Jede Reise bedeutet auch, etwas Neues zu entdecken: neue Strände, neues Essen, neue Pfade. Und wenn wir diese Entdeckungen gemeinsam machen, wird auch ein ganz gewöhnlicher Nachmittag etwas, was uns gehört. In einer Welt, in der wir Eltern sehr viel Zeit vor dem Bildschirm verbringen, ist gerade diese gemeinsame Erkundung höchst notwendig.  

Unlängst haben uns unsere Kinder überredet, den Wasserpark am Meer unterhalb des Pical Family Hotels zu besuchen. Ehrlich gesagt, ich war von dieser Aktivität nicht sehr angetan, doch es ist unglaublich, wie sehr sie uns miteinander verbunden hat. Wir vier, der gleiche Fokus, das gleiche Abenteuer. Solche gemeinsame Geschichten sind das, worauf die Kinder zurückkommen. Wenn wir sie fragen, was ihnen in einem bestimmten Zeitraum am meisten gefallen hat, nennen sie eben eine Aktivität, die sie zusammen mit uns unternommen haben.

Und wenn wir im Urlaub endlich den Fuß vom Gaspedal genommen haben, spürt dies das Kind sofort, und dann können wir es endlich so sehen, wie es ist: was es ins Staunen bringt, was es begeistert, was ihm Angst macht. Gerade deshalb öffnen sich viele Kinder im Urlaub, verlangen mehr Umarmungen und erzählen Dinge, die sie sonst nicht preisgeben würden, denn jetzt fühlen sie sich sicher genug, um ihren Schutzpanzer abzulegen.

Und da verbirgt sich die tiefste Schicht. Bewusste und erfüllte Momente mit den Kindern werden nach einiger Zeit zu einem sicheren Raum, in dem das Kind beginnt, sich Ihnen anzuvertrauen. Dies geschieht gerade dann, wenn wir wirklich viel Spaß mit ihnen haben.  Wenn das Kind spürt, wie gerne wir die Zeit mit ihm verbringen, dann kommt bei ihm eine der wichtigsten Botschaften an: dass es allein schon genügt, da zu sein. Diese Botschaft bleibt tief in ihm präsent, auch dann, wenn es nichts Besonderes tut und wenn sein Benehmen zu wünschen übrig lässt, einfach deswegen, weil es mit uns da ist und weil es uns gehört. Verschiedene Forschungsarbeiten befassen sich damit, wie Reisen das Gefühl der Verbundenheit mit den Kindern, die Gemeinsamkeit und die Kommunikation verstärken können.

Und diese kleinen Momente rechnen sich zusammen. Viele Jahre später, wenn das Kind größer ist, wird gerade dieses Gefühl der Sicherheit zum Grund, warum es sich uns anvertrauen will. Kinder vertrauen sich jenen Personen an, bei denen sie sich erkannt und geliebt gefühlt haben, und diese Grundlage bauen wir gerade jetzt auf, an den scheinbar gewöhnlichen Tagen am Meer.

Kleine Herausforderungen, die Kindern wachsen helfen

Eine Reise mit der Familie kann Lebenskompetenzen entwickeln, wie etwa Eigenständigkeit und Problemlösefähigkeit: Anpassung an neue Situationen, Kommunikation und Zusammenarbeit, Initiative und Problembewältigung sowie Interesse für neues Wissen.

Ein neues Umfeld bietet dem Kind Erfahrungen, bei denen es Ungewissheit tolerieren, mit neuen Menschen kommunizieren, sich zurechtfinden und warten, aber auch einige neue kleine Schwierigkeiten bewältigen muss, und gerade solche Erfahrungen bauen das Gefühl auf: “Ich kann mich zurechtfinden, auch wenn mir nicht alles bekannt ist”. Das geschieht natürlich, wenn die Reise an der Seite einer stabilen und sicheren Basis erfolgt (Eltern oder nahestehende Erwachsene), wenn die Erfahrungen entwicklungsangemessen und die Herausforderungen altersgerecht sind und die Unterstützung eines Erwachsenen gegeben ist, während sich das Kind an Veränderungen anpasst. 

Für das Kind bedeutet die Reise eine Reihe kleiner, sicherer Herausforderungen. Und gerade aus den sicheren und kleineren Herausforderungen heraus macht das Kind die größten Fortschritte.  

Das Kind gewöhnt sich ans neue Bett und an den neuen Ort und entwickelt damit die Fähigkeit, mit Veränderungen fertig zu werden. Momente, in denen das Kind geduldig sein muss, beispielsweise auf einer langen Fahrt, entwickeln still und leise Geduld und Selbstregulation. Und aus meiner Arbeit, aber auch aus vielen Forschungsarbeiten, ist mir bekannt, wie wertvoll gerade diese Fähigkeiten sind, denn dem Kind, das sich diese Fähigkeiten früh aneignet, fällt es später leichter, mit Stress, Veränderungen und Beziehungen zurechtzukommen.

Den eigenen kleinen Koffer schieben, Sachen packen, beim Ordnung machen mithelfen, auf den Gang zum Pool warten – dies sind alles Kleinigkeiten, die das Kind stärken, und deswegen sollten Kinder möglichst viel in solche Aktivitäten einbezogen werden. Durch den Routinewechsel entwickelt das Kind auch Flexibilität. Wir behalten natürlich auch weiterhin die Bedürfnisse des Kindes im Auge, aber eine kleine Abkehr vom Bekannten ist ihm von großem Nutzen. Das hilft ihm später auch beim Übergang in den Kindergarten und bei der Einschulung, wie auch beim Zurechtkommen in anderen neuen Situationen.

Ich erinnere mich an meine kleine Tochter, als sie eineinhalb Jahre alt war, mit der ich regelmäßig mit dem Flugzeug von England nach Kroatien reiste. Dies bedeutete: Anfahrt zum Flughafen, zwei Stunden warten, ins Flugzeug steigen, Flug, das Flugzeug verlassen und wieder warten. Und wie sehr sie sich eigentlich Geduld antrainiert hatte. Einmal wartete sie ruhig, wie eine Dame in mittleren Jahren, zehn Minuten lang auf den Aufzug. Damals erkannte ich klar, wie sehr Reisen einige der wichtigsten Fähigkeiten bei Kindern entwickeln.  

Gerade da ist die Familienunterkunft von großer Hilfe. Die Familienunterkünfte von Valamar wurden kindergerecht konzipiert, und so bekommt das Kind nach einem bestimmten Alter einen sicheren Ort, wo es auch Eigenständigkeit trainieren kann. Es darf sich nur in einem vereinbarten Raum bewegen und weiß dabei genau, wo wir sind. In unserem Fall waren das die kleinen Räder im Arba Resort, mit denen die Kinder stundenlang radelten, während wir uns es in Ruhe gemütlich machten. Mit dem Armband, das es ihnen gestattet, das Spielzimmer allein zu verlassen, betraten und verließen sie eigenständig den Spielbereich, in dem Animatoren mit den Kindern herrliche Aktivitäten durchführen, die so gut sind, dass mir der Gedanke kam, welch guter Kindergarten dies wäre. Wenn wir am Pool waren, holten sie sich selbst einen der Imbisse, die hier tagsüber angeboten werden. All dies sind Fähigkeiten, die Schritt für Schritt erworben wurden, und jede davon vermittelte ihnen die Botschaft, dass sie was können und dass man ihnen glauben kann.

Und wenn das Kind in Begleitung gefasster und unterstützender Eltern etwas Schwereres durchlebt, baut es Widerstandskraft auf, denn es lernt, dass auch negativere Gefühle vorübergehen.  

Wenn die Eltern entlastet sind, entstehen Erinnerungen von selbst

Genau das ist die Kombination, die wir Eltern uns im Urlaub am meisten ersehnen: mit dem Kind verbrachte Zeit, aber auch fünf Minuten für sich selbst. Man setzt sich hin, liest in Ruhe sein Buch und nippt an seinem Getränk, und das Kind fährt alle zehn Minuten mit dem Rad an einem vorbei und fährt dann weiter. Oder es spielt im Bereich für kleinere Kinder, immer in Sichtweite, und man kann endlich eine Verschnaufpause einlegen. Das sind Momente, die wir uns herbeiwünschen.

Die Familienunterkünfte von Valamar sind genau so auf Familien ausgelegt; Angebote für Kinder befinden sich in greifbarer Nähe der Bereiche, in denen Eltern eine Pause machen können. So kommen alle zur gleichen Zeit auf ihre Kosten, jeder auf seine eigene Art und Weise. Und die tagsüber erhältlichen Imbisse macht auch Schluss mit der Sorge, ob das Kind genügend isst, denn man weiß, dass man jederzeit eine Wahl hat.

So bekommt jeder, was er braucht, und dann entstehen Erinnerungen von selbst. Morgenstunden ohne Eile, Nachmittage, an denen man nirgendwohin muss, und genau das ist es, was Kindern am meisten zusagt.

Die Reise muss nicht perfekt ausfallen, um wertvoll zu sein. Gerade in dieser Mischung aus Verbundenheit und kleinen Herausforderungen bekommt das Kind Entwicklungsimpulse: das Gefühl, dazu zu gehören, gesehen zu werden und etwas zu können. Und das sind Grundlagen, die das Kind es viel länger mit sich trägt, als nur einen Urlaub lang.